Der ADAC sieht dagegen «keine Anhaltspunkte dafür, dass Diesel im Tagesdurchschnitt die Marke von drei Euro je Liter erreichen wird. Dafür müsste es auf den internationalen Ölmärkten zu einer nochmals deutlich stärkeren Preissteigerung kommen.» Ein neuer Höchststand bei Diesel sei aber nicht ausgeschlossen, wenn sich die geopolitische Lage weiter verschärfe.
Schwesig will Spritpreisdeckel
Auch die aktuellen Preise reichen aber, um der Diskussion um einen Spritpreisdeckel neuen Schwung zu geben. So forderte Vizekanzler Lars Klingbeil: «Die Abzocke auf dem Rücken der Autofahrerinnen und Autofahrer muss aufhören. Die Preise müssen sofort gesenkt werden, indem wir wie in anderen Ländern sofort einen Spritpreisdeckel einführen.»
Auch der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Markus Söder forderte neue Entlastungen. Auf welchem Weg und wie stark die Preise gesenkt werden sollten, sagte Söder nicht. «Da gibt es zig Möglichkeiten. Welche muss man am Ende sehen, auch in der Höhe.»
Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sagte zuvor der «Rheinischen Post»: «Es geht so nicht mehr weiter mit den Spritpreisen.» Man brauche eine Lösung. «Das Beste wäre die Einführung eines Spritpreisdeckels nach Luxemburger Vorbild.»
Der Preis für Rohöl ist typischerweise der wichtigste Faktor für Änderungen beim Spritpreis. Regional und je nach Uhrzeit können die Preise aber stark abweichen. Aktuell ist Sprit in Süddeutschland - insbesondere in Bayern - ein gutes Stück günstiger, im Norden und besonders Ostdeutschland teurer, wie aus Daten des Spritpreisportals Tankerkönig hervorgeht.
Zudem schwankt der Preis im Tagesverlauf stark - nach dem Preissprung am Mittag sind die Kraftstoffe meist mehr als 20 Cent teurer als unmittelbar davor. Am Nachmittag fallen sie dann meist rasch wieder, bis sie am späten Vormittag üblicherweise ihr Tagestief erreichen. An den von Rabl angesprochenen Autobahn-Tankstellen ist Sprit zudem oft sehr viel teurer als abseits der Autobahnen. Eine ADAC-Untersuchung hatte zuletzt einen Abstand von mehr als 30 Cent ergeben.
Auch Gas und Heizöl teurer
Die Entwicklung im Nahen Osten trifft die Verbraucher dabei nicht nur beim Autofahren, sondern auch beim Heizen. So war Heizöl am Montag nach Zahlen des Portals Heizöl24 um mehr als 30 Cent pro Liter teurer als Ende August. Von seinen Rekordständen aus dem Jahr 2022 war der Preis aber noch weit entfernt: Am Vormittag lag er um 1,66 Euro pro Liter. Damals war er vorübergehend auf mehr als 2 Euro geklettert.
Bei Erdgas macht sich die Krise ebenfalls bemerkbar. So kletterte der Preis für europäisches Erdgas am Montag wegen Angebotssorgen durch Lieferausfälle aus den Fördergebieten am Persischen Golf deutlich. Der richtungsweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat erreichte den höchsten Stand seit Ende 2022.
Gaspreis verdreifacht
Der europäische Gaspreis hat sich in diesem Jahr bereits fast verdreifacht, weil ein Ende des Iran-Kriegs und den damit verbundenen Einschränkungen bei den Lieferungen von Energierohstoffen nicht in Sicht ist. Überdies stehen europäische Länder, darunter auch Deutschland, unter Zeitdruck, die niedrigen Füllstände der Gasspeicher vor dem Wintereinbruch wieder aufzufüllen.
Direkt schlägt sich das für Gaskunden in der Regel wegen längerer Lieferverträge nicht nieder. Allerdings erwarten Experten, dass die Gaspreise für Neukunden und möglicherweise auch Bestandskunden steigen.